Was gehört zur ergotherapeutischen Schienenversorgung?
Eine ergotherapeutische Schiene ist eine Schiene auf Zeit. Die Ergotherapiepraxis fertigt sie für Sie an, und sie ergänzt eine laufende Behandlung, zum Beispiel die Handtherapie nach einer Verletzung. Es gibt zwei Grundformen. Die Lagerungsschiene hält ein Gelenk in der richtigen Lage oder ruhig. Die Funktionsschiene unterstützt Bewegungen, damit Sie Tätigkeiten des Alltags wieder ausführen können. Dazu kommen redressierende Schienen, die eine Beugestellung Schritt für Schritt korrigieren.
Je nach Fall soll die Schiene eines oder mehrere dieser sechs Ziele erreichen.
- Das Gelenk ruhigstellen und im Alltag schonen.
- Vorbeugen, dass ein Gelenk in einer Fehlstellung versteift.
- Die Beweglichkeit aufbauen und stabilisieren, aktiv und passiv.
- Schmerzen verringern.
- Körperfunktionen unterstützen, etwa die Kontrolle von gewollten und ungewollten Bewegungen.
- Fertigkeiten erhalten und aufbauen, besonders den Gebrauch von Arm und Hand.
Nicht jede Behandlung der Hand braucht eine Schiene. Bei der Ergotherapie nach einer Karpaltunnel-Operation etwa fand die medizinische Leitlinie der Fachgesellschaften von 2022 in Vergleichsstudien keinen erkennbaren Vorteil einer Handgelenksschiene nach dem Eingriff. Ob Sie eine Schiene brauchen, entscheiden Arztpraxis und Ergotherapiepraxis nach Ihrem Befund und nicht nach der Diagnose allein.
Welcher Zusatz erlaubt die Schiene auf dem Rezept?
Die Schiene steht auf demselben Rezept wie die Behandlung. Hinter der verordneten Behandlung muss der Zusatz "mit ergotherapeutischer Schiene" stehen, mehr braucht es nicht. Die Behandlung heißt auf dem Rezept "motorisch-funktionelle Behandlung" (für Beweglichkeit, Kraft und Gelenkschutz) oder "sensomotorisch-perzeptive Behandlung" (zusätzlich für Gefühl, Körperwahrnehmung und Koordination). Andere Ergotherapie-Arten haben keine Schiene. Außerdem muss das Kürzel passen, die Diagnosegruppe, zum Beispiel SB1. Es stammt aus dem Behandlungskatalog, in dem Ärzte und Krankenkassen festlegen, welche Behandlung bei welcher Diagnose verordnet werden darf, und bestimmt auch die Zahl der Termine.
- Ein Kürzel, bei dem der Katalog eine Schiene vorsieht: SB1 bis SB3 für Erkrankungen der Gelenke und Bewegungsorgane, EN1 bis EN3 für Erkrankungen des Nervensystems. In den psychischen Gruppen PS1 bis PS4 gibt es keine Schiene.
- Die Diagnose und die geschädigte Körperfunktion, nach der sich die Behandlung richtet.
- Bei mehr als einer Schiene, etwa für die linke und die rechte Hand oder für Tag und Nacht, eine eindeutige Kennzeichnung auf dem Rezept.
Eine Ausnahme ist das Rezept, auf dem die Ärztin nur Diagnose und Kürzel festlegt und die Ergotherapiepraxis Behandlung, Zahl und Abstand der Termine selbst bestimmt. Es ist seit dem 1. April 2024 für SB1 möglich, zu dem viele Verletzungen und Operationsfolgen an der Hand gehören. Dann entscheidet die Praxis auch über die Schiene selbst, im Rahmen der Behandlungen, die der Katalog für SB1 vorsieht.
Wie läuft die Schienenversorgung in der Praxis ab?
Die Schiene begleitet die ganze Behandlung. Sie beginnt mit der Frage, ob überhaupt eine Schiene nötig ist, und endet mit der verordneten Behandlung.
Bedarf prüfen
Zu Beginn prüft die Praxis, was Sie brauchen. Dazu gehört ausdrücklich die Frage, ob eine Schiene nötig ist. Zuständig: Ergotherapiepraxis, im ersten Termin.
Kosten klären
Würde die Schiene mehr als 400,00 Euro kosten, legt die Praxis Ihrer Krankenkasse vorher einen Kostenvoranschlag vor. Zuständig: Praxis und Krankenkasse.
Anfertigen und anpassen
Die Praxis fertigt die Schiene nach Ihrer Hand und passt sie einzeln an. Zuständig: Praxis, in einem Behandlungstermin.
Mit der Schiene üben
Sie üben in der Behandlung Alltagstätigkeiten mit der Schiene. Zuständig: Sie und die Praxis, in den folgenden Terminen.
Kontrollieren und korrigieren
Sitzt die Schiene nicht mehr richtig oder hat sich Ihre Beweglichkeit verändert, passt die Praxis sie an, und zwar nur in einem Termin mit persönlichem Kontakt, nicht per Video. Anpassung, Kontrollen und Beratung zur Schiene sind mit der Behandlung bezahlt und kosten nichts extra. Zuständig: Praxis, bei Bedarf.
Behandlung abschließen
Die Schiene auf Zeit endet mit der Behandlung. Brauchen Sie danach dauerhaft eine Stütze, ist das ein Hilfsmittel mit eigenem Rezept. Zuständig: Arztpraxis.
Für die ergotherapeutische Schiene zahlen Sie nichts dazu
Für die ergotherapeutische Schiene zahlen Sie keine Zuzahlung, auch nicht für Anpassung und Korrektur. Einen festen Preis hat die Schiene nicht. Die Praxis rechnet nach Aufwand ab, bis 400,00 Euro direkt mit der Kasse, darüber nach genehmigtem Kostenvoranschlag. Ihre Zuzahlung fällt auf die Behandlungstermine und auf das Rezept an.
Seit dem 1. Juli 2026 kostet ein Termin zur Behandlung von Beweglichkeit und Kraft die Kasse 59,27 Euro. Ein Termin für Gefühl und Koordination kostet 79,03 Euro, die Analyse Ihres Bedarfs zu Beginn 43,16 Euro. Ihre Zuzahlung beträgt dafür 5,93, 7,90 und 4,32 Euro. Für die Schiene zahlen Sie 0 Euro, dazu kommen 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 15 Euro.
| Leistung | Preis für die Kasse | Ihre Zuzahlung |
|---|---|---|
| Analyse Ihres Bedarfs, einmal je Behandlungsfall zu Beginn, mit Prüfung der Schiene | 43,16 Euro | 4,32 Euro |
| Behandlung für Beweglichkeit und Kraft, 45 Minuten, davon 30 Minuten Therapie | 59,27 Euro | 5,93 Euro |
| Behandlung für Gefühl und Koordination, 60 Minuten, davon 45 Minuten Therapie | 79,03 Euro | 7,90 Euro |
| Schiene bis 400,00 Euro: Herstellung, Anpassung und Korrektur | nach Aufwand, höchstens 400,00 Euro | 0 Euro |
| Schiene ab 400,01 Euro: Herstellung, Anpassung und Korrektur | nach Kostenvoranschlag, höchstens 10 Prozent Abweichung | 0 Euro |
| Pauschale je Rezept | entfällt | 10 Euro, ab 1. Januar 2027 15 Euro |
Ein Rechenbeispiel für 2026: Zehn Termine zur Behandlung von Beweglichkeit und Kraft kosten die Kasse 592,70 Euro. Sie zahlen zehnmal 5,93 Euro, also 59,30 Euro, dazu 10 Euro für das Rezept, zusammen 69,30 Euro. Beim ersten Rezept kommen 4,32 Euro für die Analyse hinzu. Die Schiene ändert an dieser Summe nichts, ob sie 150 oder 450 Euro kostet. Ab dem 1. Januar 2027 steigt die Pauschale je Rezept auf 15 Euro, weil ein Gesetz vom 24. Juli 2026 die Zuzahlung neu regelt, und dieselbe Serie kostet Sie dann 74,30 Euro.
Unter 18 Jahren zahlen Sie gar nichts dazu. Ob Sie zuzahlen, steht auf dem Rezept, außer Sie legen der Praxis eine gültige Befreiungsbescheinigung Ihrer Krankenkasse vor.
Wann braucht die Schiene einen Kostenvoranschlag?
Einen Kostenvoranschlag braucht die Praxis, sobald eine einzelne Schiene mehr als 400,00 Euro kosten würde. Er nennt die Art und Lage der Schiene, den Materialaufwand und den Arbeitsaufwand je angefangene 15 Minuten. Die Endabrechnung darf höchstens 10 Prozent davon abweichen. Verordnet die Arztpraxis mehrere Schienen, gilt die Grenze für jede einzeln: Zwei Schienen zu je 300 Euro brauchen keinen Voranschlag, eine Schiene zu 450 Euro schon.
Die Praxis legt den Kostenvoranschlag Ihrer Krankenkasse zur Genehmigung vor. Die Kasse hat drei Wochen ab Eingang Zeit. Holt sie ein Gutachten des Medizinischen Dienstes ein, des Gutachterdienstes der Krankenkassen, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen. Der Medizinische Dienst muss innerhalb von drei Wochen Stellung nehmen, und die Kasse muss Sie unterrichten, wenn sie ihn einschaltet. Schafft sie eine Frist nicht, muss sie Ihnen das rechtzeitig und mit Gründen schriftlich oder elektronisch mitteilen.
Steht auf Ihrem Rezept der Zusatz mit ergotherapeutischer Schiene?
Kostet die einzelne Schiene mehr als 400,00 Euro?
Die Praxis legt der Kasse vor der Herstellung einen Kostenvoranschlag vor, und die Kasse entscheidet in 3 Wochen, mit Gutachten in 5 Wochen. Ihre Zuzahlung für die Schiene: 0 Euro.
Die Praxis fertigt die Schiene ohne Kostenvoranschlag und rechnet direkt mit der Kasse ab. Ihre Zuzahlung für die Schiene: 0 Euro.
Ohne den Zusatz darf die Praxis keine Schiene auf Kosten der Kasse anfertigen, außer sie entscheidet auf einem Rezept in SB1 selbst über die Behandlung. Sonst muss die Arztpraxis das Rezept mit neuer Unterschrift und Datum ergänzen oder ein neues ausstellen.
- Fragen Sie im ersten Termin, ob die geplante Schiene mehr als 400,00 Euro kostet, und bei mehreren Schienen, ob die Praxis jede einzeln kalkuliert.
- Fragen Sie nach drei Wochen bei der Kasse nach, wenn weder eine Entscheidung noch die Nachricht über ein Gutachten vorliegt.
- Achten Sie darauf, dass die Behandlung trotzdem innerhalb von 28 Tagen nach dem Datum auf dem Rezept beginnt, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Tagen. Der Kostenvoranschlag betrifft nur die Schiene.
Wann übernimmt das Sanitätshaus die Schiene?
Eine ergotherapeutische Schiene ist temporär. Sie ergänzt die laufende Behandlung und endet mit ihr. Wer eine Schiene auf Dauer braucht, um eine Behinderung auszugleichen oder den Erfolg der Behandlung zu sichern, bekommt sie als Hilfsmittel. Dafür stellt die Arztpraxis ein eigenes Rezept aus, ein Sanitätshaus oder eine Orthopädietechnik übernimmt die Versorgung, und es gilt die gesetzliche Zuzahlung für Hilfsmittel. Wie Sie ein Hilfsmittelrezept im Sanitätshaus einlösen, beschreibt sanitaetshaeuser-liste.de.
Beide Wege lassen sich verbinden. Die Ergotherapiepraxis kann Sie parallel im Umgang mit einem Hilfsmittel anleiten, denn Beratung zur Auswahl und Nutzung von Hilfsmitteln und das Training damit gehören zur Behandlung. Fragen Sie zum Ende der Behandlung, wie es mit der Schiene weitergeht, damit keine Lücke entsteht.
Häufige Fragen
Darf die Ergotherapiepraxis eine Schiene anfertigen, wenn sie nicht auf dem Rezept steht?
Nein, eine ergotherapeutische Schiene braucht auf dem Rezept den Zusatz "mit ergotherapeutischer Schiene" hinter der Behandlung. Fehlt er, muss die Arztpraxis das Rezept mit neuer Unterschrift und Datum ergänzen oder neu ausstellen. Eine Ausnahme ist das Rezept in SB1, auf dem die Ergotherapiepraxis selbst über die Behandlung und damit auch über die Schiene entscheidet.
Wer bezahlt die Nachanpassung einer ergotherapeutischen Schiene?
Die Krankenkasse bezahlt die Nachanpassung einer ergotherapeutischen Schiene. Herstellung, Anpassung und Korrektur stehen in derselben Abrechnung, und Kontrollen, Funktionsprüfung und Beratung zur Schiene sind mit der Behandlung bezahlt. Sie zahlen für die Schiene nichts dazu.
Wie lange darf die Krankenkasse einen Kostenvoranschlag für eine ergotherapeutische Schiene prüfen?
Die Krankenkasse hat für die Entscheidung über den Kostenvoranschlag drei Wochen ab Eingang. Holt sie ein Gutachten des Medizinischen Dienstes ein, sind es fünf Wochen. Schafft sie die Frist nicht, muss sie Ihnen das rechtzeitig und mit Gründen mitteilen.
Kann eine Arztpraxis zwei ergotherapeutische Schienen gleichzeitig verordnen?
Ja, eine Arztpraxis kann mehrere ergotherapeutische Schienen verordnen, etwa für die linke und die rechte Hand oder für Tag und Nacht. Sie muss das auf dem Rezept eindeutig kennzeichnen. Die Grenze von 400 Euro für den Kostenvoranschlag gilt dann für jede Schiene einzeln.
Kann eine ergotherapeutische Schiene per Videobehandlung angepasst werden?
Nein, die ergotherapeutische Schiene ist im Vertrag zwischen Krankenkassen und Ergotherapeuten von der Videobehandlung ausgenommen. Herstellung, Anpassung und Korrektur finden deshalb in einem Termin mit persönlichem Kontakt statt. Andere Termine desselben Rezepts dürfen unter den Voraussetzungen des Vertrags per Video laufen.
