Wer verschreibt Ergotherapie nach einem Handgelenksbruch?
Ergotherapie nach einem Handgelenksbruch darf jede Ärztin und jeder Arzt mit Kassenzulassung verordnen, also die Unfallchirurgin, der Orthopäde, die Handchirurgin oder die Hausarztpraxis. Mit Handgelenksbruch ist fast immer ein Bruch der Speiche gemeint, des daumenseitigen Unterarmknochens, kurz vor dem Handgelenk. Wurden Sie im Krankenhaus operiert und stationär aufgenommen, darf auch das Krankenhaus bei der Entlassung Ergotherapie für bis zu 7 Tage verordnen.
Für die Behandlung des Bruchs gibt es eine Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie. Sie ist eine Entscheidungshilfe der Fachärzte und keine verbindliche Vorschrift. Die aktuelle Fassung stammt von 2021, war bis zum 28. Februar 2026 gültig und wird gerade überarbeitet.
Ob nach dem Bruch Ergotherapie oder Physiotherapie verordnet wird, entscheidet die Arztpraxis. Beides gleichzeitig ist möglich, wenn beides angezeigt ist, dann auf getrennten Rezepten. Die Physiotherapie nach einem Handgelenksbruch gehört zu physiotherapeuten-verzeichnis.de. Nach einem Arbeits-, Wege- oder Schulunfall zahlt die gesetzliche Unfallversicherung die Ergotherapie nach einem Arbeitsunfall, nicht die Krankenkasse. Den Weg über den Durchgangsarzt beschreibt orthopaeden-verzeichnis.de.
Was ändert sich zwischen Gips und Operation?
Der größte Unterschied liegt im Zeitpunkt, ab dem die Hand behandelt wird. Im Gips bleibt das Handgelenk über mehrere Wochen ruhiggestellt, nach einer stabilen Operation beginnt die Bewegungsbehandlung sofort. Welche Behandlung Sie bekommen, hängt vom Bruch ab, denn über die Wahl zwischen Gips und Operation gibt es nach der Leitlinie wegen ungenügender Studienqualität bisher keinen Konsens.
Für den Beginn der Ergotherapie gelten unterschiedliche Fristen. Nach einem Rezept der Arztpraxis muss der erste Termin innerhalb von 28 Tagen stattfinden, bei dringlichem Bedarf innerhalb von 14 Tagen. Nach einem Rezept aus dem Krankenhaus muss er innerhalb von 7 Tagen nach der Entlassung liegen, und die Behandlung muss innerhalb von 12 Tagen abgeschlossen sein. Nach einer Operation folgt eine Röntgenkontrolle nach 8 Wochen.
| Merkmal | Behandlung im Gips | Nach einer Operation, zum Beispiel mit Platte |
|---|---|---|
| Ruhigstellung | Unterarmgips oder Castschiene über mehrere Wochen | Schiene, je nach Art der Operation und Stabilität. Ein Gips nach der Operation senkt den Schmerzmittelbedarf, ändert laut Leitlinie aber nichts am Ergebnis |
| Bewegung in dieser Zeit | eigene Übungen für Daumen, Finger, Ellenbogen und Schulter, die Hand bei leichten Tätigkeiten benutzen | sofortige Bewegungsbehandlung, eigene Übungen, Vorbeugen gegen Schwellung |
| Therapie auf Rezept in dieser Zeit | Physiotherapie während der Ruhigstellung hat laut Leitlinie keinen deutlichen Einfluss auf die spätere Beweglichkeit | ein früher Beginn scheint laut Leitlinie Alltagsfunktion, Griffkraft und Schmerz kurzfristig zu verbessern, nach einem Jahr gibt es keinen Unterschied |
| Wer das erste Rezept ausstellt | die behandelnde Arztpraxis | bei stationärer Operation das Krankenhaus für bis zu 7 Tage, danach die weiterbehandelnde Praxis |
| Frist für den Beginn | 28 Tage nach dem Rezept, bei Dringlichkeit 14 | Rezept aus dem Krankenhaus: Beginn in 7, Abschluss in 12 Tagen nach der Entlassung |
| Belastung | leichte Tätigkeiten im Alltag erlaubt | belastende Tätigkeit erst, wenn die Knochenheilung nachgewiesen ist, Röntgen 8 Wochen nach der Operation |
Entscheidung für Gips oder Operation
Die Praxis entscheidet nach Bruchform und Stabilität. Nach dem Einrichten und dem Gips folgt laut Leitlinie in der ersten Woche eine Röntgenkontrolle. Zuständig: Unfallchirurgie oder Handchirurgie.
Eigene Übungen ab sofort
Finger, Daumen, Ellenbogen und Schulter bewegen Sie selbst, auch im Gips. Frühe eigene Übungen der angrenzenden Gelenke beugen laut Leitlinie einem Schmerzsyndrom vor, bei dem Schmerz und Bewegungsstörung weit über die Verletzung hinausgehen. Zuständig: Sie.
Rezept
Nach stationärer Operation verordnet das Krankenhaus für die erste Woche, sonst oder danach stellt die Arztpraxis das Rezept aus, in SB1 oder bei gestörtem Gefühl in SB2 oder EN3. Zuständig: Krankenhaus oder Arztpraxis.
Behandlungsserie
Sie haben 1 bis 3 Termine pro Woche und machen keine Pause von mehr als 14 Tagen ohne Begründung. Belastende Tätigkeiten beginnen erst nach nachgewiesener Knochenheilung. Zuständig: Sie und die Ergotherapiepraxis.
Wie viele Ergotherapie-Termine gibt es nach dem Handgelenksbruch?
Nach einem Handgelenksbruch steht auf dem Rezept meist das Kürzel SB1, die Diagnosegruppe. Es stammt aus dem Behandlungskatalog, in dem Ärzte und Krankenkassen festlegen, welche Behandlung bei welcher Diagnose verordnet werden darf. SB1 passt, wenn Beweglichkeit, Kraft oder Schmerz im Vordergrund stehen, denn der Katalog nennt dort ausdrücklich Gelenkverletzungen und Operationsfolgen. SB1 erlaubt bis zu 10 Termine je Rezept. Als Richtwert, mit dem das Ziel in der Regel erreicht wird, gelten 20 Termine. Reicht das nicht, darf die Ärztin weitere Rezepte mit Begründung ausstellen, denn der Richtwert ist keine Obergrenze.
Zwei Komplikationen führen in andere Kürzel. Die erste ist ein Schmerzsyndrom nach der Verletzung, früher sympathische Reflexdystrophie genannt, bei dem Schmerz und Bewegungsstörung weit über die Verletzung hinausgehen. Der Katalog führt es im zweiten und dritten Stadium unter SB2, mit 30 Terminen als Richtwert. Die zweite ist ein Nervenschaden, etwa ein akutes Karpaltunnelsyndrom, das die Leitlinie als Komplikation nennt. Er passt zu EN3 mit einer Behandlung für Gefühl und Koordination.
Der Speichenbruch steht nicht auf der Liste der Diagnosen, bei denen Ärztinnen für bis zu 12 Wochen ohne Höchstmenge verordnen dürfen, und nicht auf der Liste für langfristigen Behandlungsbedarf. Es gelten die normalen Mengen. Ein Rezept aus dem Krankenhaus zählt bei der weiterbehandelnden Praxis nicht mit. Nach einem Bruch ohne Nervenschaden gehört das Rezept in SB1, eines von vier Kürzeln für Handverletzungen. Für SB1 gibt es seit dem 1. April 2024 auch ein Rezept, auf dem die Ergotherapiepraxis Behandlung, Zahl und Abstand der Termine selbst festlegt und die Behandlung bis zu 16 Wochen dauern darf.
Was rät die Leitlinie zu Übungen nach dem Bruch?
Die Leitlinie setzt vor allem auf Ihre eigene Bewegung. Studien zeigen nach ihrer Auswertung bisher keine Bevorzugung einer bestimmten Reha-Maßnahme. Für die Zeit mit Gips gibt sie Regeln vor, die auch nach einer Operation gelten.
- Alles vermeiden, was die Schwellung verstärkt, den Arm nicht herunterhängen lassen und nachts auf einem Kissen lagern.
- Die Schulter nicht mit einem Armtragetuch ruhigstellen.
- Daumen und Langfinger regelmäßig bewegen, dazu Ellenbogen und Schulter.
- Die Hand bei allen leichten Tätigkeiten des Alltags benutzen.
- Bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen oder Gefühlsstörungen sofort die Arztpraxis aufsuchen, zum Beispiel weil der Verband zu eng sein kann.
Für die Behandlung auf Rezept fällt die Bewertung der Leitlinie nüchtern aus. Physiotherapie während der Ruhigstellung hat keinen deutlichen Einfluss auf die spätere Beweglichkeit. Es gibt keinen Beleg, dass Physiotherapie mit oder ohne Ergotherapie besser abschneidet als angeleitetes Selbsttraining. Nach einer Operation scheint ein früher Therapiebeginn kurzfristig Vorteile bei Funktion, Griffkraft und Schmerz zu bringen, nach einem Jahr gab es keinen Unterschied.
Für Sie folgt daraus eine Frage an die Arztpraxis: Reichen angeleitete Übungen, oder behindern Steifigkeit, Schwellung oder Kraftverlust Sie so, dass ein Rezept nötig ist? Die Ergotherapie arbeitet dann an Beweglichkeit, Kraft, Narben und an den Tätigkeiten des Alltags.
Bei welchen Zeichen gehen Sie sofort zur Ärztin?
Manche Beschwerden gehören sofort zur Ärztin oder zum Arzt. Die Leitlinie nennt für die Zeit nach dem Bruch die Kontrolle von Durchblutung, Gefühl und Beweglichkeit, das Achten auf die Streckung des Daumens und das frühe Erkennen eines Schmerzsyndroms. Die Ergotherapiepraxis muss die Arztpraxis informieren und die Behandlung unterbrechen, wenn Sie in nicht vorhersehbarer Weise auf die Behandlung reagieren.
Nehmen Schmerzen oder Gefühlsstörungen zu, oder sitzen Gips oder Verband zu eng?
Gehen Sie sofort in die behandelnde Praxis oder Notaufnahme. Die Leitlinie sieht bei anhaltenden oder zunehmenden Schmerzen oder Gefühlsstörungen eine sofortige ärztliche Vorstellung vor.
Können Sie den Daumen plötzlich nicht mehr strecken?
Lassen Sie das zeitnah ärztlich prüfen. Die Leitlinie nennt Risse der langen Daumenstrecksehne als bekannte Komplikation, besonders nach einer Operation mit Platte, und verlangt ihre Früherkennung.
Die Behandlung läuft wie verordnet weiter. Sprechen Sie Schwellung, Steifigkeit oder Schmerz im nächsten Termin an, die Praxis stimmt sich bei Bedarf mit der Arztpraxis ab.
Was Sie für das Rezept vorbereiten sollten
Ein gut vorbereitetes Rezept erspart Rückfragen, denn jede Korrektur braucht eine neue Unterschrift der Arztpraxis.
- Fragen Sie bei der Entlassung aus dem Krankenhaus, ob ein Rezept ausgestellt wurde, und vereinbaren Sie den ersten Termin innerhalb von 7 Tagen.
- Lassen Sie sich das Anschlussrezept in der ersten Woche von der weiterbehandelnden Praxis ausstellen, damit keine Lücke entsteht.
- Beschreiben Sie bei Gipsabnahme oder Nachkontrolle, was im Alltag nicht geht: Schlüssel drehen, Glas halten, Knöpfe schließen, Tastatur, Werkzeug.
- Prüfen Sie Kürzel und gestörte Körperfunktion auf dem Rezept. Bei Gefühlsstörungen gehören SB2 oder EN3 dorthin, nicht SB1.
Die Zuzahlung ist dieselbe wie bei jeder Ergotherapie. Sie zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 plus 15 Euro, und unter 18 Jahren zahlen Sie nichts. Ein Termin zur Behandlung von Beweglichkeit und Kraft kostet die Kasse seit dem 1. Juli 2026 59,27 Euro, zehn Termine kosten Sie 2026 also 69,30 Euro und 2027 dann 74,30 Euro.
Häufige Fragen
Wer verordnet Ergotherapie nach einem Handgelenksbruch?
Ergotherapie nach einem Handgelenksbruch darf jede Arztpraxis mit Kassenzulassung verordnen, etwa Unfallchirurgie, Orthopädie, Handchirurgie oder die Hausarztpraxis. Nach einer stationären Operation darf das Krankenhaus zusätzlich bei der Entlassung für bis zu 7 Tage verordnen. Nach einem Arbeits-, Wege- oder Schulunfall zahlt die gesetzliche Unfallversicherung.
Wie viele Termine Ergotherapie zahlt die Krankenkasse nach einem Handgelenksbruch?
Nach einem Handgelenksbruch zahlt die Krankenkasse in der Regel bis zu 10 Termine Ergotherapie je Rezept, bei einem Richtwert von 20 Terminen für das Ziel. Bei einem Schmerzsyndrom im zweiten oder dritten Stadium ist das Kürzel SB2 mit 30 Terminen Richtwert vorgesehen. Reicht die Menge nicht, darf die Ärztin weitere Rezepte mit Begründung ausstellen.
Bekomme ich nach einem Handgelenksbruch schon im Gips Ergotherapie?
Ein Rezept während der Zeit im Gips ist möglich, die Leitlinie zum Speichenbruch setzt in dieser Phase aber auf eigene Übungen. Physiotherapie während der Ruhigstellung hat laut Leitlinie keinen deutlichen Einfluss auf die spätere Beweglichkeit. Sie empfiehlt stattdessen Übungen von Daumen, Fingern, Ellenbogen und Schulter und den Gebrauch der Hand bei leichten Tätigkeiten.
Wann darf ich die Hand nach einem operierten Handgelenksbruch wieder belasten?
Nach einem operierten Handgelenksbruch sieht die Leitlinie belastende Tätigkeiten erst vor, wenn die Knochenheilung nachgewiesen ist. Eine Röntgenkontrolle ist 8 Wochen nach der Operation vorgesehen. Leichte Tätigkeiten im Alltag sollen Sie schon vorher mit der Hand erledigen, den Zeitpunkt für volle Belastung legt die behandelnde Praxis nach dem Befund fest.
Zahlt die Krankenkasse nach einem Handgelenksbruch Ergotherapie und Physiotherapie gleichzeitig?
Ja, Ergotherapie und Physiotherapie nach einem Handgelenksbruch dürfen gleichzeitig verordnet werden, wenn beides medizinisch angezeigt ist. Dafür braucht die Ärztin getrennte Rezepte für Ergotherapie und Physiotherapie.
