Bekommen Sie bei Depression Ergotherapie auf Rezept?
Ja, die Krankenkasse bezahlt Ergotherapie bei Depression, wenn eine Ärztin oder ein Psychotherapeut sie verordnet. Auf dem Rezept steht ein Kürzel für die Art der Erkrankung, die Diagnosegruppe. Bei Depression lautet es PS3. Es steht für wahnhafte und affektive Störungen sowie Abhängigkeitserkrankungen. Auf ein Rezept passen bis zu 20 Behandlungen. Als Richtwert für alle Behandlungen zusammen gelten 40, empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche.
Verordnet werden vor allem die Behandlung von Antrieb und Stimmung und Gedächtnis- und Konzentrationstraining, beide auch als Gruppe. Sie trainieren Antrieb, Tagesstruktur, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Kontakt zu anderen Menschen. Auf dem Rezept stehen dafür Fachnamen, fragen Sie die Praxis, was gemeint ist.
Vor dem ersten Rezept muss eine Untersuchung stattfinden, die Psychiatrie, Neurologie oder Psychotherapie durchführt. Das Rezept beruht auf diesem Befund. Liegt er vor, kann auch die Hausarztpraxis es ausstellen.
Nach der Auswertung des Robert Koch-Instituts war 2024 bei 17,0 Prozent der gesetzlich versicherten Erwachsenen, die ambulant behandelt wurden, eine Depression dokumentiert. Bei Frauen waren es 20,4 Prozent, bei Männern 12,8 Prozent. Unter den 15 häufigsten Diagnosen auf Ergotherapie-Rezepten der AOK-Versicherten steht die Depression 2024 nicht.
Gilt bei Depression die 12-Wochen-Regel?
Nein, für Depression gilt die 12-Wochen-Regel nicht. Bei manchen Erkrankungen darf die Ärztin Rezepte ausstellen, die 12 Wochen abdecken, statt nur 10 Behandlungen. Für die Depression gibt es diese Sonderregel nicht und auch keine automatische Dauerbehandlung. Die Codes der depressiven Episode und der wiederkehrenden Depression stehen weder auf der Liste der Kassenärztlichen Bundesvereinigung noch auf der Liste der Diagnosen mit automatischer Dauerbehandlung. Dasselbe gilt für die anderen Erkrankungen dieser Gruppe, etwa Schizophrenie und Abhängigkeit.
Dafür passen bei Depression mit bis zu 20 Behandlungen doppelt so viele auf ein Rezept wie in den meisten der zehn Diagnosegruppen der Ergotherapie. Der Richtwert von 40 Behandlungen bleibt gleich. Eine Verordnung deckt deshalb einen größeren Teil davon ab.
Wann bestimmt die Ergotherapiepraxis die Behandlung selbst?
Seit dem 1. April 2024 kann die Ärztin bei Depression ein Rezept ausstellen, bei dem die Ergotherapiepraxis selbst bestimmt, wie behandelt wird. Die Ärztin gibt dafür einen Teil ihrer Verantwortung an die Praxis ab. Ob sie das Rezept so ausstellt, entscheidet sie selbst. Bei wichtigen medizinischen Gründen kann sie darauf verzichten.
- Die Praxis bestimmt, welche der möglichen Behandlungen sie einsetzt.
- Die Praxis legt fest, wie oft die Termine stattfinden.
- Die Praxis entscheidet, wie viele Termine es innerhalb der Behandlung gibt.
- Die Behandlung mit einem solchen Rezept ist auf höchstens 16 Wochen begrenzt.
Läuft Ergotherapie bei Depression neben einer Psychotherapie?
Ja, Ergotherapie läuft neben einer Psychotherapie und ersetzt sie nicht. Psychotherapeutische Behandlungsformen gehören nach den Regeln von Ärzten und Krankenkassen nicht zu den Behandlungen der Ergotherapie auf Rezept. Die Ergotherapie trainiert stattdessen Antrieb, Tagesstruktur, Alltagsbewältigung und Kontakt zu anderen Menschen.
Verordnen dürfen Ergotherapie bei Depression Ärztinnen und Ärzte und auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung. Für Psychotherapeuten gelten zwei Wege. Entweder gehört die Diagnose zu den Erkrankungen, die sie mit Psychotherapie behandeln. Oder es liegt eine andere psychische Diagnose vor, und sie stimmen sich mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt ab. Bei einer Depression ist meist eine der beiden Voraussetzungen erfüllt.
Für Sie heißt das: Das Rezept für die Ergotherapie kann aus derselben Praxis kommen wie die Psychotherapie, es muss aber nicht. Läuft die Psychotherapie woanders, verordnet meist die Hausarztpraxis oder die Psychiatrie die Ergotherapie. Sprechen Sie die Termine beider Behandlungen ab.
Wie beantragen Sie bei Depression Dauerbehandlung?
Auch ohne automatische Dauerbehandlung können Sie diese bei der Krankenkasse beantragen. In ihrem Bescheid spricht die Kasse von langfristigem Heilmittelbedarf. Sie prüft, ob die Erkrankung so schwer und so dauerhaft ist wie bei den Diagnosen, für die Dauerbehandlung automatisch gilt. Das kommt bei einer Depression in Frage, die schon seit Jahren besteht und auf bisherige Behandlungen nicht angesprochen hat. Bei einer einzelnen depressiven Episode ist der Antrag eher nicht aussichtsreich.
- Lassen Sie sich ein vollständig ausgefülltes Rezept mit dem Code der Depression ausstellen. Die Kasse bekommt eine Kopie.
- Bitten Sie um eine Begründung mit Krankheitsdauer, bisherigen Behandlungsversuchen und Einschränkungen im Alltag.
- Stellen Sie den Antrag bei der Krankenkasse. Sie darf zur Prüfung den Medizinischen Dienst einschalten.
- Notieren Sie, wann der Antrag eingegangen ist. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen entscheiden. Sonst gilt der Antrag als genehmigt.
- Prüfen Sie den Bescheid. Eine Befristung darf ein Jahr nicht unterschreiten, unbefristet ist erlaubt.
Lehnt die Kasse den Antrag ab, bleibt Ihr Anspruch auf Ergotherapie bestehen. Gegen die Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen.
Was kostet Ergotherapie bei Depression?
Erwachsene zahlen zu jedem Rezept 10 Euro und zusätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die 10 Euro auf 15 Euro. Die Behandlung von Antrieb und Stimmung kostet seit dem 1. Juli 2026 98,79 Euro für einen Einzeltermin von 75 Minuten. Gedächtnis- und Konzentrationstraining kostet 59,27 Euro bei 45 Minuten.
Bei 20 Behandlungen zu je 98,79 Euro sind das rund 1.976 Euro für ein Rezept. Davon tragen Sie 10 Prozent plus 10 Euro für das Rezept selbst, ab 2027 plus 15 Euro.
Wer wegen der Depression dauerhaft in Behandlung ist, kann als chronisch krank gelten. Dann sind alle Zuzahlungen eines Jahres auf 1 Prozent der Bruttoeinnahmen begrenzt, sonst auf 2 Prozent. Ob Sie als chronisch krank gelten, klärt Ihre Krankenkasse.
Häufige Fragen
Welches Kürzel steht bei Ergotherapie wegen Depression auf dem Rezept?
Bei Ergotherapie wegen Depression steht auf dem Rezept das Kürzel PS3, die Diagnosegruppe für wahnhafte und affektive Störungen sowie Abhängigkeitserkrankungen. Auf ein Rezept passen bis zu 20 Behandlungen, als Richtwert gelten 40. Vorrangig sind die Behandlung von Antrieb und Stimmung und Gedächtnis- und Konzentrationstraining.
Gibt es bei Depression Rezepte für 12 Wochen oder automatische Dauerbehandlung?
Nein, bei Depression gilt weder die 12-Wochen-Regel der Kassenärzte noch automatische Dauerbehandlung. Bei einer Depression, die seit Jahren besteht, können Sie Dauerbehandlung bei der Krankenkasse beantragen. Auf ein Rezept passen bei Depression mit bis zu 20 Behandlungen doppelt so viele wie in den meisten anderen Gruppen.
Was ändert sich, wenn die Ergotherapiepraxis bei Depression die Behandlung selbst festlegt?
Dann bestimmt die Praxis selbst Behandlung, Häufigkeit und Zahl der Termine. Möglich ist das bei Depression seit dem 1. April 2024 und auf höchstens 16 Wochen begrenzt. Die Diagnose stellt weiter die Ärztin oder der Psychotherapeut.
Läuft Ergotherapie bei Depression neben einer Psychotherapie?
Ja, Ergotherapie läuft neben einer Psychotherapie und ersetzt sie nicht. Psychotherapeutische Behandlungsformen gehören nicht zu den Behandlungen der Ergotherapie auf Rezept. Die Ergotherapie trainiert Antrieb, Tagesstruktur und Alltagsbewältigung.
Wer darf Ergotherapie bei Depression verordnen?
Ärztinnen und Ärzte dürfen Ergotherapie bei Depression verordnen, wenn vorher eine Untersuchung durch Psychiatrie, Neurologie oder Psychotherapie vorliegt. Auch Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten mit Kassenzulassung dürfen verordnen, wenn die Diagnose zu ihrem Fachgebiet gehört oder sie sich mit der behandelnden Ärztin abstimmen.
Was kostet Ergotherapie bei Depression?
Erwachsene zahlen bei Ergotherapie wegen Depression 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Rezept, ab 2027 15 Euro. Die Behandlung von Antrieb und Stimmung kostet seit dem 1. Juli 2026 98,79 Euro je Einzeltermin von 75 Minuten, Gedächtnis- und Konzentrationstraining 59,27 Euro bei 45 Minuten.
