Zahlt die Krankenkasse Ergotherapie nach einem Schlaganfall?
Die Krankenkasse bezahlt Ergotherapie nach einem Schlaganfall, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnet. Mit dem Rezept gehen Sie zu einer Ergotherapiepraxis mit Kassenzulassung.
Auf dem Rezept steht ein Kürzel für die Art der Erkrankung, die Diagnosegruppe. Nach einem Schlaganfall lautet es EN1 und steht für Erkrankungen des Gehirns. Es ist eines von zehn Kürzeln, die es in der Ergotherapie gibt (Diagnosegruppen der Ergotherapie). Das Kürzel legt fest, wie viele Behandlungen auf ein Rezept passen. Dazu kommt ein Code für die Erkrankung selbst, etwa I63 für den Hirninfarkt oder I61 für die Hirnblutung.
Auf ein Rezept passen höchstens 10 Behandlungen. Als Richtwert nennt der Gemeinsame Bundesausschuss, das oberste Gremium von Ärzten und Krankenkassen, 40 Behandlungen insgesamt. Nach dem Katalog lässt sich das Therapieziel mit dieser Menge in der Regel erreichen. Bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren liegt der Richtwert bei 60. Empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche.
Bei zwei Terminen pro Woche dauern 40 Behandlungen rund 20 Wochen und brauchen vier Rezepte. Ist das Ziel dann nicht erreicht, kann Ihre Ärztin weitere Rezepte ausstellen und begründet das in ihren Unterlagen.
Die Halbseitenlähmung war 2024 mit 7,3 Prozent aller Ergotherapie-Rezepte die häufigste Einzeldiagnose der AOK-Versicherten. Ein Patient mit Halbseitenlähmung bekam im Jahr durchschnittlich 37 Behandlungen (Heilmittelbericht 2025 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK).
Was übt die Ergotherapie nach einem Schlaganfall?
Die Ergotherapie übt Handgriffe des Alltags, etwa Anziehen, Waschen, Kochen und sicheres Greifen. Welche Behandlung passt, hängt davon ab, was der Schlaganfall beeinträchtigt hat. Ihre Ärztin darf die Behandlungen eines Rezepts auf bis zu drei Arten verteilen.
Ein Termin dauert je nach Behandlung 45, 60 oder 75 Minuten. Die Krankenkasse zahlt seit dem 1. Juli 2026 dafür 59,27 Euro bei 45 Minuten, 79,03 Euro bei 60 Minuten und 98,79 Euro bei 75 Minuten. Davon tragen Sie selbst 10 Prozent.
| Behandlung | Was sie trainiert | Typische Folge des Schlaganfalls | Dauer und Preis je Termin |
|---|---|---|---|
| Wahrnehmung und Bewegung | Berührungsempfinden, Körperwahrnehmung, Gleichgewicht, Haltung, grobe und feine Bewegungen | Halbseitenlähmung mit gestörter Wahrnehmung, Gefühlsstörung in der Hand | 60 Minuten, davon 45 Minuten Therapie, 79,03 Euro |
| Beweglichkeit und Kraft | Beweglichkeit der Gelenke, Muskelkraft, Kontrolle von Rumpf und Armen, Waschen, Anziehen, Haushalt | Schwäche und dauernd angespannte Muskeln in Arm und Hand | 45 Minuten, davon 30 Minuten Therapie, 59,27 Euro |
| Gedächtnis und Konzentration | Orientierung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Handlungen planen, Tagesroutinen | Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Probleme beim Planen | 45 Minuten, davon mindestens 30 Minuten Therapie, 59,27 Euro |
| Antrieb und Stimmung | Antrieb, Tagesstruktur, Kontakt zu anderen, Umgang mit der Krankheit, Selbstvertrauen | Antriebsmangel, gedrückte Stimmung, Rückzug | 75 Minuten, davon 60 Minuten Therapie, 98,79 Euro |
Auf dem Rezept stehen für diese Behandlungen Fachnamen. Fragen Sie die Praxis, welche Behandlung gemeint ist.
Bei vielen Betroffenen steht die Hand im Mittelpunkt. Praxen mit Schwerpunkt Handtherapie behandeln auch die gelähmte oder verkrampfte Hand nach einem Schlaganfall, mit demselben Rezept wie jede andere Praxis. Bei Bedarf gehört eine Schiene dazu, zum Beispiel um die Hand ruhig zu lagern. Ein sicheres Ergebnis kann keine Praxis versprechen, denn es hängt vom Ausmaß der Schädigung ab. Ein solches Versprechen ist verboten.
Was gilt im ersten Jahr nach dem Schlaganfall?
Im ersten Jahr nach dem Schlaganfall gilt eine Sonderregel. Ihre Ärztin darf dann Rezepte ausstellen, die 12 Wochen abdecken, statt nur 10 Behandlungen. Bei drei Terminen pro Woche passen so bis zu 36 Behandlungen auf ein Rezept.
Die Sonderregel steht in einer Liste der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, des Verbands der Kassenärzte. Sie nennt Hirnblutung, Hirninfarkt, nicht näher bezeichneten Schlaganfall und die Folgen eines Schlaganfalls, jeweils längstens ein Jahr nach dem Ereignis. Die Frist rechnet ab dem ersten Rezept mit diesem Krankheitscode. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchen Sie dafür nicht. Kassen und Kassenärzte prüfen, ob Ärztinnen zu viele Behandlungen verordnen. Für diese Diagnosen werden die Rezepte dabei gesondert berücksichtigt.
Die Halbseitenlähmung (Code G81) steht ebenfalls auf der Liste, und zwar ohne Zeitgrenze. Ob auf Ihrem Rezept der Code des Schlaganfalls oder der Code der Halbseitenlähmung steht, entscheidet Ihre Ärztin nach der Diagnose. Fragen Sie nach, wie sie nach Ablauf des ersten Jahres verordnet.
- Bringen Sie den Entlassbrief von Klinik oder Reha mit. Er nennt das Datum des Schlaganfalls.
- Bitten Sie um ein Rezept für zwölf Wochen mit einer Spanne, zum Beispiel zwei- bis dreimal pro Woche. Bei einer Spanne zählt der höchste Wert für die Menge.
- Lassen Sie den Hausbesuch ankreuzen, wenn Sie die Praxis aus medizinischen Gründen nicht erreichen können.
- Bitten Sie um einen Bericht der Praxis über den Verlauf, wenn Ihre Ärztin ihn für das nächste Rezept braucht.
- Vereinbaren Sie den ersten Termin innerhalb von 28 Tagen nach dem Ausstellen, bei dringendem Bedarf innerhalb von 14 Tagen. Sonst verfällt das Rezept.
Wie beantragen Sie Dauerbehandlung nach einem Schlaganfall?
Für manche Diagnosen gilt Dauerbehandlung automatisch. Der Schlaganfall steht nicht auf dieser Liste. Sie können aber bei Ihrer Krankenkasse beantragen, dass Ihre Ergotherapie als Dauerbehandlung anerkannt wird. In ihrem Bescheid spricht die Kasse von langfristigem Heilmittelbedarf. Danach darf Ihre Ärztin weiter Rezepte für bis zu 12 Wochen ausstellen.
Die Krankenkasse prüft, ob Ihre Schädigung so schwer und so dauerhaft ist wie bei den Diagnosen auf der Liste. Als dauerhaft gilt, wenn Sie mindestens ein Jahr lang Ergotherapie brauchen. Bei kurzem Behandlungsbedarf ist der Antrag ausgeschlossen. Bei bleibender Halbseitenlähmung liegt ein Antrag deshalb nahe, nach weitgehender Erholung eher nicht. Am Ende entscheidet die Kasse, Ihre Ärztin hilft bei der Begründung.
- Lassen Sie sich ein vollständig ausgefülltes Rezept ausstellen und behalten Sie das Original. Die Kasse bekommt eine Kopie.
- Bitten Sie Ihre Ärztin um eine Begründung. Sie nennt die Schwere und Dauer der Schädigung, die Einschränkungen im Alltag und den Therapiebedarf. Legen Sie Entlassbriefe und Reha-Berichte bei.
- Stellen Sie den Antrag bei Ihrer Krankenkasse. Sie prüft ihn anhand von Antrag und Rezeptkopie, bei Bedarf mit dem Medizinischen Dienst.
- Notieren Sie, wann der Antrag eingegangen ist. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen entscheiden. Sonst gilt der Antrag als genehmigt.
- Prüfen Sie den Bescheid auf Diagnose und Kürzel. Eine Befristung darf ein Jahr nicht unterschreiten, unbefristet ist erlaubt.
Ist der Schlaganfall weniger als ein Jahr her?
Ihre Ärztin darf Rezepte für bis zu 12 Wochen ausstellen. Einen Antrag brauchen Sie dafür nicht.
Steht auf dem Rezept der Code der Halbseitenlähmung (G81)?
Rezepte für bis zu 12 Wochen sind weiter möglich, ohne Zeitgrenze und ohne Antrag.
Brauchen Sie Ergotherapie voraussichtlich mindestens ein Jahr lang?
Beantragen Sie die Dauerbehandlung bei Ihrer Krankenkasse. Sie muss innerhalb von vier Wochen entscheiden.
Sie bekommen normale Rezepte mit je 10 Behandlungen. Weitere Rezepte sind mit ärztlicher Begründung möglich.
Kommt die Ergotherapie nach einem Schlaganfall nach Hause?
Ja, wenn Sie aus medizinischen Gründen nicht in die Praxis kommen können. Nach einem Schlaganfall trifft das oft zu, zum Beispiel wenn Sie nicht sicher gehen oder ohne Hilfe kein Taxi nutzen können. Ihre Ärztin kreuzt den Hausbesuch auf dem Rezept an. Ohne dieses Kreuz darf die Praxis ihn nicht abrechnen.
Die Krankenkasse zahlt der Praxis dafür seit dem 1. Juli 2026 eine Pauschale von 28,69 Euro je Tag, in einer Pflegeeinrichtung 18,71 Euro. Davon zahlen Sie 2,87 Euro dazu, in einer Pflegeeinrichtung 1,87 Euro.
Zu Hause üben Sie dort, wo Sie den Alltag bewältigen müssen. Die Ergotherapeutin berät auch dazu, wie Sie Wohnung und Umfeld anpassen können. Dafür gibt es einmal je Behandlungsfall, also einmal für alle Rezepte zum selben Problem, einen Termin von 120 Minuten ohne zusätzliches Rezept. Er zählt zu den verordneten Behandlungen und kostet die Krankenkasse je nach Behandlung 158,05 bis 182,51 Euro.
Können Sie die Praxis erreichen, aber nicht zu jedem Termin, ist auch eine Behandlung per Video möglich, wenn Ihre Ärztin sie nicht ausgeschlossen hat. Den ersten Termin und regelmäßige Kontrolltermine erleben Sie persönlich in der Praxis. Ob eine Behandlung per Video läuft, entscheiden Sie gemeinsam mit der Praxis.
Was kostet Ergotherapie nach einem Schlaganfall?
Erwachsene zahlen zu jedem Rezept 10 Euro und zusätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die 10 Euro auf 15 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts dazu.
Ein Beispiel: Zehn Behandlungen zu je 59,27 Euro kosten zusammen rund 593 Euro. Davon zahlen Sie rund 59 Euro plus 10 Euro für das Rezept, also rund 69 Euro. Ab 2027 sind es 5 Euro mehr, denn dann kostet jedes Rezept 15 Euro.
Wer wegen des Schlaganfalls dauerhaft in Behandlung ist, kann als chronisch krank gelten. Dann sind Ihre Zuzahlungen im Jahr auf 1 Prozent Ihrer Bruttoeinnahmen begrenzt, sonst auf 2 Prozent. Ob Sie als chronisch krank gelten, klärt Ihre Krankenkasse.
Häufige Fragen
Zahlt die Krankenkasse Ergotherapie nach einem Schlaganfall?
Ja, die gesetzliche Krankenkasse zahlt Ergotherapie nach einem Schlaganfall, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sie verordnet. Erwachsene zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept dazu, ab dem 1. Januar 2027 plus 15 Euro. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zahlen nichts.
Wie viele Behandlungen Ergotherapie gibt es nach einem Schlaganfall?
Auf ein Rezept für Ergotherapie nach einem Schlaganfall passen höchstens 10 Behandlungen. Als Richtwert gelten 40 Behandlungen insgesamt, weitere Rezepte sind mit ärztlicher Begründung möglich. Im ersten Jahr darf die Ärztin Rezepte für bis zu 12 Wochen ausstellen.
Was bedeutet die Sonderregel im ersten Jahr nach einem Schlaganfall?
Im ersten Jahr nach einem Schlaganfall darf die Ärztin Ergotherapie-Rezepte ausstellen, die 12 Wochen abdecken, statt nur 10 Behandlungen. Die Sonderregel gilt für Hirninfarkt, Hirnblutung und die Folgen eines Schlaganfalls. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchen Sie nicht.
Gibt es nach einem Schlaganfall automatisch Dauerbehandlung mit Ergotherapie?
Nein, nach einem Schlaganfall gibt es keine automatische Dauerbehandlung mit Ergotherapie. Sie können sie bei Ihrer Krankenkasse beantragen, wenn Sie Ergotherapie voraussichtlich mindestens ein Jahr brauchen. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen entscheiden, sonst gilt der Antrag als genehmigt.
Kommt die Ergotherapeutin nach einem Schlaganfall nach Hause?
Ja, Ergotherapie nach einem Schlaganfall kann als Hausbesuch verordnet werden, wenn Sie aus medizinischen Gründen nicht in die Praxis kommen können. Ihre Ärztin kreuzt den Hausbesuch auf dem Rezept an. Auf die Hausbesuchspauschale von 28,69 Euro je Tag zahlen Sie 10 Prozent, also 2,87 Euro.
Übernimmt die Krankenkasse Handtherapie für die gelähmte Hand nach einem Schlaganfall?
Ja, die Krankenkasse übernimmt Ergotherapie für die gelähmte oder verkrampfte Hand nach einem Schlaganfall, bei Bedarf mit einer Schiene. Sie zahlen 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 plus 15 Euro. Eine Praxis mit Schwerpunkt Handtherapie darf diese Behandlung ebenso ausführen wie jede andere Praxis mit Kassenzulassung.
