Bekommen Menschen mit Demenz Ergotherapie auf Rezept?
Ja, die Krankenkasse bezahlt Ergotherapie bei Demenz, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnet. Auf dem Rezept steht ein Kürzel für die Art der Erkrankung, die Diagnosegruppe. Bei Demenz lautet es PS4. Der Katalog der Ergotherapie nennt als Beispiel die Alzheimer-Krankheit im Stadium der leichten Demenz. Er ist keine vollständige Liste: Die Liste der Kassenärzte ordnet auch vaskuläre Demenz, Demenz bei Parkinson und Demenz ohne nähere Angabe dieser Gruppe zu.
Auf ein Rezept passen höchstens 10 Behandlungen. Als Richtwert für alle Behandlungen zusammen gelten 40, empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche. Verordnet werden vor allem Gedächtnis- und Konzentrationstraining und die Behandlung von Antrieb und Stimmung, beide auch als Gruppe. Sie üben Orientierung, Gedächtnis, Antrieb und den Umgang mit dem Alltag. Auf dem Rezept stehen dafür Fachnamen, fragen Sie die Praxis, was gemeint ist.
Vor dem ersten Rezept muss eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie oder eine Neuropsychologin oder ein Neuropsychologe die Demenz untersuchen. Auf diesem Befund beruht das Rezept. Danach kann auch die Hausarztpraxis Ergotherapie verordnen.
In Deutschland leben rund 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, so schätzt die Deutsche Alzheimer Gesellschaft zum Jahresende 2023. Bei den AOK-Versicherten standen 2024 rund 54.000 Ergotherapie-Rezepte auf Demenz, davon 32.000 auf Demenz ohne nähere Angabe und 22.000 auf die Alzheimer-Krankheit. Das sind zusammen 4,7 Prozent aller Ergotherapie-Rezepte.
Ab welchem Alter gilt bei Demenz die 12-Wochen-Regel?
Bei Demenz gilt eine Sonderregel: Die Ärztin darf Rezepte ausstellen, die 12 Wochen abdecken, statt nur 10 Behandlungen. Sie steht in einer Liste der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, des Verbands der Kassenärzte, mit Stand vom 1. Januar 2026. Für die Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn gilt das in jedem Alter. Bei allen anderen Demenzformen gilt es ab dem vollendeten 70. Lebensjahr. Maßgeblich ist der Tag, an dem das Rezept ausgestellt wird. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchen Sie dafür nicht.
Bei drei Terminen pro Woche passen so bis zu 36 Behandlungen auf ein Rezept. Wer jünger als 70 ist und keinen frühen Alzheimer hat, bekommt normale Rezepte mit je 10 Behandlungen. Dauerbehandlung ist dann nur auf Antrag möglich.
| Code auf dem Rezept | Demenzform | Rezept für 12 Wochen möglich |
|---|---|---|
| F00.0 | Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn | in jedem Alter |
| F00.1 | Alzheimer-Krankheit mit spätem Beginn | ab 70 Jahren |
| F00.2 | Alzheimer-Krankheit, atypische oder gemischte Form | ab 70 Jahren |
| F01.0 bis F01.8 | Vaskuläre Demenz, verursacht durch Durchblutungsstörungen im Gehirn | ab 70 Jahren |
| F02.3 und F02.8 | Demenz bei Parkinson oder bei anderen Krankheiten | ab 70 Jahren |
| F03 | Demenz ohne nähere Angabe | ab 70 Jahren |
Auf dem Rezept steht oft nur das Wort Demenz. Ob die Sonderregel gilt, hängt am eingetragenen Code. Fragen Sie in der Arztpraxis nach, welcher Code auf dem Rezept steht.
Wie beantragen Angehörige Dauerbehandlung bei Demenz?
Wer jünger als 70 ist und keinen frühen Alzheimer hat, kann bei der Krankenkasse Dauerbehandlung beantragen. In ihrem Bescheid spricht die Kasse von langfristigem Heilmittelbedarf. Sie prüft, ob die Schädigung so schwer und so dauerhaft ist wie bei den Diagnosen, für die Dauerbehandlung automatisch gilt. Bei einer fortschreitenden Demenz kann das zutreffen, es muss aber im Einzelfall begründet werden.
- Lassen Sie sich ein vollständig ausgefülltes Rezept mit dem Code der Demenzform ausstellen. Die Kasse bekommt eine Kopie, das Original bleibt bei Ihnen.
- Bitten Sie die Ärztin um eine Begründung mit Schwere und Dauer der Schädigung, etwa dem Pflegegrad, dem Ergebnis eines Gedächtnistests oder dem Bericht einer Gedächtnissprechstunde.
- Stellen Sie den Antrag bei der Krankenkasse. Sie darf zur Prüfung den Medizinischen Dienst einschalten.
- Notieren Sie, wann der Antrag eingegangen ist. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen entscheiden. Sonst gilt der Antrag als genehmigt.
- Prüfen Sie den Bescheid. Eine Befristung darf ein Jahr nicht unterschreiten, unbefristet ist erlaubt.
Steht auf dem Rezept Alzheimer mit frühem Beginn (Code F00.0)?
Rezepte für bis zu 12 Wochen sind in jedem Alter möglich, ohne Antrag.
Ist der Mensch mit Demenz am Tag der Ausstellung mindestens 70 Jahre alt?
Rezepte für bis zu 12 Wochen sind möglich, ohne Antrag.
Braucht der Mensch mit Demenz Ergotherapie voraussichtlich mindestens ein Jahr lang?
Beantragen Sie Dauerbehandlung bei der Krankenkasse. Sie muss innerhalb von vier Wochen entscheiden.
Es gelten normale Rezepte mit je 10 Behandlungen. Weitere Rezepte sind mit ärztlicher Begründung möglich.
Ergotherapie bei Demenz zu Hause und im Pflegeheim
Ergotherapie bei Demenz kann als Hausbesuch stattfinden, wenn medizinische Gründe den Weg zur Praxis unmöglich machen oder den Hausbesuch zwingend erfordern. Das gilt in der eigenen Wohnung genauso wie im Pflegeheim. Die Ärztin kreuzt den Hausbesuch auf dem Rezept an, sonst darf die Praxis ihn nicht abrechnen. Alle Regeln zum Hausbesuch in der Ergotherapie gelten auch bei Demenz.
Seit dem 1. Juli 2026 zahlt die Krankenkasse der Praxis eine Pauschale von 28,69 Euro je Tag, in einer Pflegeeinrichtung 18,71 Euro. Davon zahlen Sie 2,87 Euro dazu, in einer Pflegeeinrichtung 1,87 Euro.
Dass die Behandlung in einer Einrichtung stattfindet, ist für sich noch keine Begründung für einen Hausbesuch. Es braucht einen medizinischen Grund. Ob er vorliegt, entscheidet die Ärztin. Beispiele sind:
- eine fortgeschrittene Demenz mit Orientierungsverlust, sodass der Weg zur Praxis allein nicht mehr gelingt
- Gangunsicherheit oder Sturzgefahr, sodass jemand den Menschen mit Demenz außerhalb der Wohnung begleiten müsste
- Unruhe, die eine Behandlung in fremder Umgebung erschwert
- eine schwere körperliche Begleiterkrankung, die den Transport zur Praxis unzumutbar macht
Was kostet Ergotherapie bei Demenz?
Erwachsene zahlen zu jedem Rezept 10 Euro und zusätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die 10 Euro auf 15 Euro.
Die Behandlung von Antrieb und Stimmung kostet seit dem 1. Juli 2026 98,79 Euro für einen Einzeltermin von 75 Minuten. Gedächtnis- und Konzentrationstraining kostet 59,27 Euro bei 45 Minuten. In der Gruppe mit drei bis sechs Teilnehmern sind es 48,41 und 27,66 Euro je Person. Davon zahlen Sie 10 Prozent.
Wer wegen der Demenz dauerhaft in Behandlung ist, kann als chronisch krank gelten. Dann sind alle Zuzahlungen eines Jahres auf 1 Prozent der Bruttoeinnahmen begrenzt, sonst auf 2 Prozent. Bei 20.000 Euro Einnahmen im Jahr sind das vereinfacht gerechnet 200 statt 400 Euro, für alle Zuzahlungen zusammen und nicht nur für die Ergotherapie. Ob die erkrankte Person als chronisch krank gilt, klärt die Krankenkasse.
Häufige Fragen
Welches Kürzel steht bei Ergotherapie wegen Demenz auf dem Rezept?
Bei Ergotherapie wegen Demenz steht auf dem Rezept das Kürzel PS4, die Diagnosegruppe für Demenzerkrankungen. Auf ein Rezept passen höchstens 10 Behandlungen, als Richtwert gelten 40. Verordnet wird vor allem Gedächtnis- und Konzentrationstraining oder die Behandlung von Antrieb und Stimmung, auch als Gruppe.
Gilt bei jeder Demenz die Sonderregel für Rezepte über 12 Wochen?
Nein, für Rezepte über 12 Wochen gilt bei Demenz eine Altersgrenze. Bei der Alzheimer-Krankheit mit frühem Beginn ist es in jedem Alter möglich, bei allen anderen Demenzformen ab dem vollendeten 70. Lebensjahr. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchen Sie nicht.
Bekommt mein Angehöriger mit Demenz Ergotherapie im Pflegeheim?
Ja, Ergotherapie kann im Pflegeheim als Hausbesuch verordnet werden, wenn dafür ein medizinischer Grund vorliegt. Dass die Behandlung in einer Einrichtung stattfindet, reicht als Begründung nicht aus. Die Ärztin kreuzt den Hausbesuch auf dem Rezept an.
Wie hoch ist die Zuzahlung bei Ergotherapie wegen Demenz?
Erwachsene zahlen bei Ergotherapie wegen Demenz 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 15 Euro. Ihre Zuzahlungen im Jahr sind auf 2 Prozent der Bruttoeinnahmen begrenzt, bei chronischer Krankheit auf 1 Prozent.
Wer untersucht vor dem Rezept, ob Ergotherapie bei Demenz nötig ist?
Vor dem ersten Rezept muss eine Fachärztin oder ein Facharzt für Psychiatrie oder Neurologie oder eine Neuropsychologin oder ein Neuropsychologe die Demenz untersuchen. Auf diesem Befund beruht das Rezept. Danach kann auch die Hausarztpraxis Ergotherapie verordnen.
Was passiert, wenn 40 Behandlungen Ergotherapie bei Demenz nicht reichen?
Reichen die 40 Behandlungen nicht, kann die Ärztin weitere Rezepte für dieselbe Erkrankung ausstellen und begründet sie in ihren Unterlagen. Die 40 sind ein Richtwert, mit dem sich das Therapieziel in der Regel erreichen lässt, und keine feste Obergrenze.
