Welches Kürzel gilt bei Arthrose der Hand?
Arthrose ist ein Verschleiß des Gelenkknorpels, der Schmerzen, Steifigkeit und mit der Zeit Verformungen des Gelenks verursachen kann. An der Hand gibt es drei häufige Formen. Die Arthrose des Daumensattelgelenks an der Daumenwurzel heißt Rhizarthrose. Die Heberden-Arthrose betrifft die Fingerendgelenke, die Bouchard-Arthrose die Fingermittelgelenke.
Im Behandlungskatalog, der festlegt, welche Behandlung bei welcher Diagnose verordnet werden darf, gehören diese Arthrosen in das Kürzel SB1, die Diagnosegruppe. Der Katalog nennt dort ausdrücklich Gelenkverschleiß und entzündliche rheumatische Erkrankungen wie die rheumatoide Arthritis. Verordnet wird vorrangig die Behandlung für Beweglichkeit und Kraft, auch mit Schiene oder in der Gruppe, dazu Wärme oder Kälte als Zusatz. Ein Rezept erlaubt bis zu 10 Termine, der Richtwert liegt bei 20 Terminen, empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche.
Eine deutsche Leitlinie zu dieser Arthrose gibt es noch nicht. Zwei Fachgesellschaften haben sie am 24. August 2023 angemeldet, geplante Fertigstellung ist der 31. Dezember 2027. Bis dahin sind die Empfehlungen der Europäischen Rheumaliga EULAR von 2018 die maßgebliche europäische Grundlage.
Welche Leistungen deckt das Rezept bei Handarthrose ab?
Das Rezept deckt die Leistungen ab, die der Katalog für SB1 vorsieht. Die Behandlung für Beweglichkeit und Kraft zielt auf die Beweglichkeit und Stabilität der Gelenke einschließlich Gelenkschutz, auf Muskelkraft und Belastbarkeit und auf Schmerzlinderung. Dazu zählen auch die Beratung zur Auswahl und Nutzung von Hilfsmitteln, das Training damit und die Anpassung des Lebensumfelds.
Seit dem 1. Juli 2026 kostet ein Einzeltermin zur Behandlung von Beweglichkeit und Kraft die Kasse 59,27 Euro, Ihre Zuzahlung beträgt 5,93 Euro. Ein Gruppentermin mit 3 bis 6 Personen kostet 20,75 Euro, Ihre Zuzahlung 2,08 Euro. Wärme oder Kälte kostet 8,86 Euro, Ihre Zuzahlung 0,89 Euro. Für die Schiene zahlen Sie 0 Euro, dazu kommen 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 15 Euro.
| Leistung | Was dazugehört | Preis für die Kasse | Ihre Zuzahlung |
|---|---|---|---|
| Einzeltermin für Beweglichkeit und Kraft | 45 Minuten, davon 30 Minuten Therapie: Beweglichkeit, Kraft, Gelenkschutz, Schmerz, Alltagstätigkeiten | 59,27 Euro | 5,93 Euro je Termin |
| Gruppentermin für Beweglichkeit und Kraft | 3 bis 6 Personen, 45 Minuten, davon 30 Minuten Therapie | 20,75 Euro | 2,08 Euro je Termin |
| Temporäre Schiene | Herstellung, Anpassung und Korrektur, zum Beispiel einer Daumenschiene, ab 400,01 Euro nur mit Kostenvoranschlag | nach Aufwand | 0 Euro |
| Wärme oder Kälte | als Zusatz, wenn sie Schmerz lindert und die Behandlung erleichtert | 8,86 Euro | 0,89 Euro je Termin |
| Beratung zu Zuhause und Alltag | 120 Minuten Einzeltermin, einmal je Behandlungsfall, ohne eigenes Rezept, zählt zu den verordneten Terminen | 158,05 Euro | 15,81 Euro |
| Pauschale je Rezept | fällt je Rezept an, nicht je Termin | entfällt | 10 Euro, ab 1. Januar 2027 15 Euro |
Wärme oder Kälte ist ein Zusatz zur Behandlung. Die Ärztin darf höchstens eine solche Zusatzbehandlung verordnen, und sie zählt nicht zum Richtwert. Verordnet wird sie nur, wenn sie Schmerzen verringert oder die Muskelspannung reguliert und damit die Behandlung erleichtert oder erst möglich macht.
Dauerhaft getragene Orthesen aus dem Sanitätshaus sind Hilfsmittel und brauchen ein eigenes Rezept. Die Beratung, welche Hilfen im Alltag nützen und wie Sie sie verwenden, gehört dagegen zur Ergotherapie.
Was empfehlen Fachgesellschaften bei Arthrose der Hand?
Die Europäische Rheumaliga EULAR stellt in ihren Empfehlungen von 2018 drei Maßnahmen ohne Medikamente an den Anfang, und alle drei gehören zum Arbeitsfeld der Ergotherapie. Eine internationale Arbeitsgruppe aus 19 Ärztinnen und Ärzten, Therapeutinnen und Therapeuten und Betroffenen aus zehn Ländern hat sie nach einer systematischen Literaturrecherche formuliert. Eine Garantie für den Einzelfall geben die Empfehlungen nicht. Sie beschreiben, was nach der Studienlage in Betracht kommt.
- Empfehlung 1: Jeder Patientin und jedem Patienten sollen Schulung und Training in ergonomischen Bewegungen, im Einteilen der Belastung über den Tag und im Gebrauch von Hilfsmitteln angeboten werden. Erbringen kann das jede darauf spezialisierte Fachkraft, genannt sind Ergotherapie, Physiotherapie und geschulte Pflegekräfte.
- Empfehlung 2: Übungen für Funktion, Muskelkraft und weniger Schmerzen sollen für jeden erwogen werden. Eine Übersichtsstudie fand kleine Effekte auf Schmerz, Funktion, Steifigkeit und Griffkraft, die nach dem Ende der Übungen nicht anhielten.
- Empfehlung 3: Orthesen sollen bei Arthrose des Daumensattelgelenks zur Linderung erwogen werden, und zwar zur Langzeitnutzung. Die Studien zeigten Effekte vor allem auf den Schmerz, weniger auf die Funktion, und nur bei Nutzung über mindestens drei Monate.
- Nächtliche Schienen für die Fingerendgelenke empfiehlt die EULAR nicht, weil die einzige Studie dazu keinen Nutzen zeigte.
Die EULAR hält fest, dass es bisher keine Behandlung gibt, die den Verlauf der Arthrose selbst verändert. Ziel der Ergotherapie ist deshalb, Beschwerden zu lindern und Tätigkeiten des Alltags zu erhalten. Eine Operation soll erst erwogen werden, wenn andere Behandlungen die Schmerzen nicht ausreichend lindern. Die Wahl des Verfahrens gehört zur Handchirurgie und damit zu orthopaeden-verzeichnis.de.
Gibt es bei Handarthrose einen langfristigen Behandlungsbedarf?
Nein, Arthrose in Daumen und Fingern steht auf keiner der beiden Diagnoselisten, die Rezepte für bis zu 12 Wochen ohne Höchstzahl erlauben. Auf diesen Listen darf die Ärztin Rezepte ausstellen, ohne an die Höchstzahl von 10 Terminen gebunden zu sein. Für die Arthrose gelten dagegen die normalen Mengen. Ist der Richtwert erreicht und das Ziel nicht, sind weitere Rezepte mit Begründung möglich.
Anders ist es bei entzündlichen rheumatischen Erkrankungen. Einzelne Formen stehen auf der ersten Liste, etwa das Felty-Syndrom oder die Arthritis mutilans. Mehrere Formen der rheumatoiden Arthritis stehen auf der zweiten Liste. Welche Diagnose vorliegt, stellt die Arztpraxis fest.
Hat die Arztpraxis eine rheumatoide Arthritis oder eine andere entzündliche rheumatische Erkrankung festgestellt?
Steht die Diagnose auf der ersten Liste, zum Beispiel Felty-Syndrom, Arthritis mutilans oder juvenile Arthritis?
Es gilt ein langfristiger Behandlungsbedarf ohne Antrag. Rezepte gelten für bis zu 12 Wochen, die Höchstzahl je Rezept ist nicht bindend.
Mehrere Formen gelten auf der zweiten Liste als besonderer Bedarf. Auch dann sind Rezepte für bis zu 12 Wochen möglich, die Arztpraxis prüft die Diagnose auf der Liste.
Sind die Schäden so schwer und dauerhaft, dass Sie voraussichtlich mindestens ein Jahr lang Behandlung brauchen?
Sie können bei Ihrer Krankenkasse einen langfristigen Behandlungsbedarf beantragen, mit Kopie eines gültigen Rezepts. Die Kasse entscheidet innerhalb von 4 Wochen, sonst gilt der Antrag als genehmigt.
Sie bekommen normale Rezepte in SB1: bis zu 10 Termine je Rezept, Richtwert 20, weitere Rezepte mit Begründung.
Wann zahlt die Kasse die Daumenschiene?
Eine Daumenschiene kann auf zwei Wegen zu Ihnen kommen, und die Empfehlung der Rheumaliga zur Langzeitnutzung macht die Unterscheidung wichtig. Die ergotherapeutische Schiene ist eine Schiene auf Zeit. Sie ergänzt die laufende Behandlung, steht mit dem Zusatz "mit ergotherapeutischer Schiene" auf demselben Rezept und kostet Sie keine Zuzahlung.
Soll die Orthese dauerhaft getragen werden, ist sie ein Hilfsmittel. Dafür stellt die Arztpraxis ein eigenes Rezept aus, ein Sanitätshaus oder eine Orthopädietechnik versorgt Sie, und es gilt die Zuzahlung für Hilfsmittel. Wie Sie ein Hilfsmittelrezept im Sanitätshaus einlösen, beschreibt sanitaetshaeuser-liste.de. Beide Wege lassen sich verbinden, denn die Ergotherapie darf Sie im Umgang mit dem Hilfsmittel anleiten.
Wie bekommen Sie das Rezept bei Handarthrose?
Ein Rezept stellt jede Arztpraxis mit Kassenzulassung aus, etwa die Hausarztpraxis, die Orthopädie oder die Rheumatologie.
- Notieren Sie, welche Tätigkeiten schmerzen oder nicht mehr gehen: Gläser öffnen, Schlüssel drehen, Knöpfe schließen, Schreiben, Werkzeug halten.
- Lassen Sie in der Arztpraxis klären, ob eine Arthrose oder eine entzündliche rheumatische Erkrankung vorliegt, denn davon hängen Menge und Laufzeit der Rezepte ab.
- Prüfen Sie das Rezept: Kürzel SB1, gestörte Körperfunktion, Behandlung für Beweglichkeit und Kraft, bei Bedarf mit dem Zusatz "mit ergotherapeutischer Schiene" und mit Wärme oder Kälte.
- Beginnen Sie innerhalb von 28 Tagen nach dem Datum auf dem Rezept. Auf einem Rezept, auf dem die Ergotherapiepraxis selbst entscheidet, legt sie Behandlung, Zahl und Abstand der Termine fest, und die Behandlung darf bis zu 16 Wochen dauern.
- Vereinbaren Sie zu Beginn Ziele, die Sie selbst überprüfen können, und lassen Sie sich Übungen und Hinweise zum Gelenkschutz schriftlich mitgeben.
Die Zuzahlung bei Ergotherapie beträgt 10 Prozent der Kosten plus 10 Euro je Rezept, ab dem 1. Januar 2027 plus 15 Euro. Für zehn Termine zur Behandlung von Beweglichkeit und Kraft mit Wärme oder Kälte zahlen Sie 2026 zehnmal 5,93 Euro plus zehnmal 0,89 Euro plus 10 Euro, zusammen 78,20 Euro. 2027 sind es 83,20 Euro. Auf die Schiene fällt keine Zuzahlung an.
Häufige Fragen
Bekomme ich bei Rhizarthrose Ergotherapie auf Rezept?
Ja, bei Arthrose des Daumensattelgelenks kann die Arztpraxis Ergotherapie im Kürzel SB1 verordnen, das Gelenkverschleiß ausdrücklich nennt. Ein Rezept umfasst bis zu 10 Termine Behandlung für Beweglichkeit und Kraft, als Richtwert für das Ziel gelten 20 Termine. Möglich sind auch eine Schiene auf Zeit und Wärme oder Kälte als Zusatz.
Zahlt die Krankenkasse eine Daumenschiene bei Arthrose des Daumensattelgelenks?
Die Krankenkasse zahlt eine Daumenschiene auf zwei Wegen. Während der Ergotherapie fertigt die Praxis eine Schiene auf Zeit ohne Zuzahlung, wenn das Rezept den Zusatz mit ergotherapeutischer Schiene trägt. Eine dauerhaft getragene Orthese ist ein Hilfsmittel mit eigenem Rezept und Zuzahlung.
Gilt Arthrose in Daumen und Fingern als langfristiger Behandlungsbedarf?
Nein, Arthrose in Daumen und Fingern steht auf keiner der beiden Diagnoselisten für langfristigen oder besonderen Bedarf. Bei schweren, dauerhaften Schäden mit mindestens einem Jahr Behandlungsbedarf können Sie bei der Krankenkasse einen langfristigen Behandlungsbedarf beantragen. Die Kasse muss innerhalb von 4 Wochen entscheiden.
Was bedeutet Gelenkschutz in der Ergotherapie bei Arthrose der Hand?
Gelenkschutz bei Arthrose der Hand bedeutet in der Ergotherapie Schulung und Training in ergonomischen Bewegungen, im Einteilen der Belastung und im Gebrauch von Hilfsmitteln. Die Empfehlungen der Rheumaliga EULAR von 2018 ersetzen den alten Begriff durch diese Beschreibung, weil er nach Schonung klang. Als Ziel der Behandlung für Beweglichkeit und Kraft steht Gelenkschutz trotzdem im Katalog.
Wie lange sollte eine Orthese bei Arthrose des Daumensattelgelenks getragen werden?
Eine Orthese zeigte in den Studien, die die Empfehlungen der Rheumaliga EULAR von 2018 auswerten, Effekte vor allem auf den Schmerz, und zwar nur bei Nutzung über mindestens drei Monate. Die EULAR befürwortet deshalb die Langzeitnutzung. Ob tagsüber bei Tätigkeiten oder nachts, lässt die Studienlage offen, und die Tragezeiten legt die Arztpraxis mit der Ergotherapiepraxis fest.
