Wie bekommen Sie Ergotherapie bei Parkinson auf Rezept?
Die Krankenkasse bezahlt Ergotherapie bei Parkinson, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verordnet. Auf dem Rezept steht ein Kürzel für die Art der Erkrankung, die Diagnosegruppe. Bei Parkinson lautet es EN1 und steht für Erkrankungen des Gehirns. Auf ein Rezept passen höchstens 10 Behandlungen. Als Richtwert für alle Behandlungen zusammen gelten 40, empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche.
In EN1 sind alle vier Behandlungen der Ergotherapie möglich, und die Ärztin darf die Behandlungen eines Rezepts auf bis zu drei Arten verteilen. Für die Untersuchung vor dem ersten Rezept schreibt der Katalog bei Parkinson keine bestimmte Fachrichtung vor, anders als bei den psychischen Erkrankungen. Die Diagnose stellt oft eine neurologische Praxis. Das Rezept für die Ergotherapie darf danach auch die Hausarztpraxis ausstellen.
In Deutschland leben rund 295.000 Menschen mit einem Parkinson-Syndrom. Das sind 0,35 Prozent der Bevölkerung, so wertet es das Robert Koch-Institut für das Jahr 2022 aus. Bei den AOK-Versicherten standen 2024 rund 28.000 Ergotherapie-Rezepte auf Parkinson, das sind 2,5 Prozent aller Rezepte.
Ab welchem Stadium gilt bei Parkinson die 12-Wochen-Regel?
Ärzte teilen Parkinson nach der Skala von Hoehn und Yahr in fünf Stadien ein. Vom Stadium hängt ab, wie die Ärztin Ergotherapie verordnen darf. Im Stadium 5 gilt Dauerbehandlung automatisch. In den Stadien 3 und 4 sowie beim sekundären Parkinson-Syndrom, das zum Beispiel nach einer Gehirnentzündung oder durch Durchblutungsstörungen entsteht, gilt eine Sonderregel der Kassenärzte. In beiden Fällen darf die Ärztin Rezepte für bis zu 12 Wochen ausstellen, ohne dass Sie einen Antrag stellen.
Bei drei Terminen pro Woche passen so bis zu 36 Behandlungen auf ein Rezept. Für Ihr Rezept macht es keinen Unterschied, ob Dauerbehandlung oder die Sonderregel gilt, denn beide erlauben 12 Wochen. In den Stadien 1 und 2 gibt es die Regel nicht. Dort bleibt es bei Rezepten mit je 10 Behandlungen, es sei denn, die Krankenkasse genehmigt Dauerbehandlung auf Antrag.
| Stadium | Was es im Alltag bedeutet | Rezept für 12 Wochen ohne Antrag | Code auf dem Rezept |
|---|---|---|---|
| Stadium 1 | Leichte Beschwerden auf einer Körperseite, meist Zittern in einem Arm oder Bein | Nein | nicht auf der Liste |
| Stadium 2 | Beide Körperseiten betroffen, Haltung und Gang leiden, das Gleichgewicht ist noch nicht gestört | Nein | nicht auf der Liste |
| Stadium 3 | Gleichgewichtsreaktionen sind erstmals eingeschränkt, ein selbstständiges Leben bleibt möglich | Ja, Sonderregel | G20.1 |
| Stadium 4 | Beschwerden voll ausgeprägt, Gehen ist noch eingeschränkt möglich, Alleinleben meist nicht mehr | Ja, Sonderregel | G20.1 |
| Stadium 5 | Rollstuhl oder weitgehend bettlägerig, dauerhaft pflegebedürftig | Ja, automatische Dauerbehandlung | G20.2 |
| Sekundäres Parkinson-Syndrom | Parkinson-Beschwerden, die zum Beispiel nach einer Gehirnentzündung oder durch Durchblutungsstörungen entstehen | Ja, Sonderregel | G21.3, G21.4, G21.8 |
Wie beantragen Sie bei frühem Parkinson Dauerbehandlung?
In den Stadien 1 und 2 können Sie bei der Krankenkasse beantragen, dass Ihre Ergotherapie als Dauerbehandlung anerkannt wird. In ihrem Bescheid spricht die Kasse von langfristigem Heilmittelbedarf. Sie prüft, ob die Schädigung so schwer und so dauerhaft ist wie bei den Diagnosen, für die Dauerbehandlung automatisch gilt. Die Schwere kann sich auch aus mehreren Beeinträchtigungen zusammen ergeben, etwa aus häufigen Stürzen und einer weiteren Erkrankung. Bei einem frühen, gut eingestellten Parkinson hat der Antrag trotzdem selten Aussicht auf Erfolg.
- Lassen Sie sich ein vollständig ausgefülltes Rezept mit Krankheitscode und Kürzel ausstellen. Die Kasse bekommt eine Kopie.
- Bitten Sie die Ärztin um eine Begründung mit Schwere und Dauer der Schädigung, etwa Sturzhäufigkeit, Beweglichkeit im Alltag und weiteren Erkrankungen.
- Stellen Sie den Antrag bei der Krankenkasse. Sie darf zur Prüfung den Medizinischen Dienst einschalten.
- Notieren Sie, wann der Antrag eingegangen ist. Die Kasse muss innerhalb von vier Wochen entscheiden. Sonst gilt der Antrag als genehmigt.
- Prüfen Sie den Bescheid. Eine Befristung darf ein Jahr nicht unterschreiten, unbefristet ist erlaubt.
Steht auf dem Rezept der Code für das Stadium 5 (G20.2)?
Dauerbehandlung gilt automatisch. Rezepte für bis zu 12 Wochen sind ohne Antrag möglich.
Steht G20.1 (Stadium 3 oder 4) oder G21 (sekundärer Parkinson) auf dem Rezept?
Rezepte für bis zu 12 Wochen sind ohne Antrag möglich.
Brauchen Sie Ergotherapie voraussichtlich mindestens ein Jahr lang?
Beantragen Sie Dauerbehandlung bei der Krankenkasse. Sie prüft die Schwere und muss innerhalb von vier Wochen entscheiden.
Es gelten normale Rezepte mit je 10 Behandlungen. Weitere Rezepte sind mit ärztlicher Begründung möglich.
Was verändert Ergotherapie bei Parkinson im Alltag?
Bei Parkinson trainiert die Ergotherapie, was Zittern, verlangsamte Bewegungen und unsicheres Gleichgewicht im Alltag erschweren: Anziehen, Waschen, Kochen und sichere Wege in der Wohnung. Welche der vier Behandlungen passt, richtet sich nach den Beschwerden auf dem Rezept. Die Behandlung von Beweglichkeit und Kraft übt Bewegungen und Kraft, die Behandlung von Wahrnehmung und Bewegung Gleichgewicht und Koordination. Ein Heilungsversprechen kann keine Praxis geben.
Dazu gehört ein eigener Termin von 120 Minuten für die Beratung zu Wohnung und Umfeld. Die Praxis darf ihn einmal je Behandlungsfall anbieten, also einmal für alle Rezepte zum selben Problem, und braucht dafür kein zusätzliches Rezept. Dort lässt sich besprechen, wo Stolperfallen liegen und wo Haltegriffe sinnvoll sind. Können Sie die Praxis aus medizinischen Gründen nicht erreichen, lassen Sie den Hausbesuch auf dem Rezept ankreuzen. Voraussetzungen und Preise stehen bei Ergotherapie als Hausbesuch.
Was kostet Ergotherapie bei Parkinson?
Erwachsene zahlen zu jedem Rezept 10 Euro und zusätzlich 10 Prozent der Behandlungskosten. Ab dem 1. Januar 2027 steigen die 10 Euro auf 15 Euro. Ein Einzeltermin kostet seit dem 1. Juli 2026 59,27 Euro bei 45 Minuten (Beweglichkeit und Kraft) und 79,03 Euro bei 60 Minuten (Wahrnehmung und Bewegung). Davon zahlen Sie 10 Prozent.
Wer wegen Parkinson dauerhaft in Behandlung ist, kann als chronisch krank gelten. Dann sind alle Zuzahlungen eines Jahres auf 1 Prozent der Bruttoeinnahmen begrenzt, sonst auf 2 Prozent. Ob Sie als chronisch krank gelten, klärt Ihre Krankenkasse.
Die Praxen rechneten 2024 für einen AOK-Versicherten mit Parkinson im Durchschnitt 2.244 Euro ab.
Häufige Fragen
Welches Kürzel steht bei Ergotherapie wegen Parkinson auf dem Rezept?
Bei Ergotherapie wegen Parkinson steht auf dem Rezept das Kürzel EN1, die Diagnosegruppe für Erkrankungen des Gehirns. Auf ein Rezept passen höchstens 10 Behandlungen, als Richtwert gelten 40, empfohlen sind ein bis drei Termine pro Woche. Alle vier Behandlungen der Ergotherapie sind möglich.
Gibt es bei jedem Parkinson-Stadium Dauerbehandlung mit Ergotherapie?
Nein, automatische Dauerbehandlung gibt es bei Parkinson nur im Stadium 5 nach Hoehn und Yahr. In den Stadien 3 und 4 darf die Ärztin Rezepte für bis zu 12 Wochen ohne Antrag ausstellen. In den Stadien 1 und 2 gibt es normale Rezepte, Dauerbehandlung ist nur auf Antrag möglich.
Was bedeuten Rezepte für 12 Wochen bei Parkinson im Stadium 3 oder 4?
Bei Parkinson im Stadium 3 oder 4 darf die Ärztin Ergotherapie-Rezepte ausstellen, die 12 Wochen abdecken, statt nur 10 Behandlungen. Höchstzahl je Rezept und Richtwert gelten dann nicht. Einen Antrag bei der Krankenkasse brauchen Sie nicht.
Braucht die Ergotherapie bei Parkinson einen Befund vom Neurologen?
Nein, für Parkinson schreibt der Katalog der Ergotherapie keine bestimmte Fachrichtung für die Untersuchung vor dem ersten Rezept vor. Meist stellt eine neurologische Praxis die Diagnose. Das Rezept für die Ergotherapie darf danach auch die Hausarztpraxis ausstellen.
Was kostet Ergotherapie bei Parkinson?
Erwachsene zahlen bei Ergotherapie wegen Parkinson 10 Prozent der Behandlungskosten plus 10 Euro je Rezept, ab 2027 15 Euro. Ein Einzeltermin kostet seit dem 1. Juli 2026 59,27 Euro bei 45 Minuten (Beweglichkeit und Kraft) oder 79,03 Euro bei 60 Minuten (Wahrnehmung und Bewegung).
Wie viele Menschen in Deutschland haben Parkinson?
In Deutschland leben rund 295.000 Menschen mit einem Parkinson-Syndrom, das sind 0,35 Prozent der Bevölkerung im Jahr 2022. Mit dem Alter steigt der Anteil deutlich, bei den ab 65-Jährigen liegt er bei 1,42 Prozent. Diese Zahlen stammen aus der Auswertung des Robert Koch-Instituts von 2025.
